Wie ich nach Deutschland gekommen bin (von Hans-Johann Schmidt)

Ich war einer der jüngsten (Jahrgang 1925) die nach einer Rekrutierung im Juni 1943 in einem Grossen Transport nach Wien gebracht wurden. Anmerkung: Wir fuhren in die Welt, waren neugierig, jung, stark, froh was ganz Neues zu lernen. Wir dachten auch, jetzt, wenn wir kommen wird der Krieg gewonnen.

Als wir in Wien ankamen waren nach einigen Tagen die Stimmung nicht mehr so gross. Die Bevölkerung merkte sofort dass wir Schinken, Speck, Wurst, Zigaretten hatten und ein reger Handel über den Zaun statt fand.

Als dann nach ein paar Tagen noch die Aufteilung der Truppenstandorte bekannt gegeben wurde und wir auseinander gerissen wurden war alles Zuversichtliche verflogen. Mich selbst hat es hart getroffen dass ich als einziger Uiheler nach Prag (Goldene Stadt) kam, wo nach dem 2en Transport Faller Peter zu mir stiess.

Es ging dann in die Ausbildung (hartes Training) und schliesslich landete ich in Frankreich wo ein Jahr später die Invasion statt fand.

Dort, nach einigen Monaten wurde ich verwundet. Anmerkung: Durchschuss im linken Oberarm mit Versteifung des Ellbogens und Hand, ein ums andere mal wollte der Arzt oder Ärzte den Arm amputieren. Es war gut dass ich das immer wieder ablehnte. Wenn ich auch keine Finger mehr gebrauchen kann so sind sie doch an meinem Arm ein Stück von mir.

Dazwischen kam das Kriegsende, immer wieder auch noch Operationen am Arm. Gefangenschaft (Amerikanischen) mit und in verschiedenen Lagern mit wenigen Informationen wie es in der Heimat zugeht.

Im Mai 1947 wurde ich aus der Gefangenschaft entlassen. Ganz allein, ohne Eltern, ohne Perspektiven, (meine Schwester wurde in dieser Zeit aus Russischer Deportation entlassen, kam nach Deutschland, ihre Kinder waren bei  den Grosseltern in Rumänien, ihr Mann war noch in  Französischer Gefangenschaft).

Die Kinder wurden dann nach Deutschland frei gekauft und die ganze Familie ist dann nach USA ausgewandert.

Ich selbst habe da schon meine Frau (kennengelernt als Rotkreuzschwester) gekannt und heirateten in 1950.

Im selben Jahr kam unser 1. Sohn zur Welt, ich habe Arbeit in einer grossen Fabrik angenommen (Koch und Heiztechnik), habe mich (als Bauernsohn) eingearbeitet und bin als 60-jähriger 1985 in Rente gegangen.

1954 kam unser 2ter Sohn zur Welt. Haben 1960 ein Haus gebaut (viel selbst gemacht).

Eines habe ich dabei vergessen zu sagen: Ich habe während der Militärzeit kein Urlaub gehabt und habe erst im Jahr 1969 as erstemal wieder die Heimat gesehen. Dazu könnte man ein Roman schreiben, nachdem meine Eltern schon das Glück hatte (Freikauf) in die BRD zu kommen (1954).

Ich war dann im Jahr 1970 mit Frau, meinen Eltern und Schwester mit Schwager noch einmal in der Heimat. Inzwischen sind meine Schwester (sowie auch die Eltern) in Amerika gestorben und beerdigt.

 

(Herborn, Oktober 2005)

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