Wer sind die Toten?  (von Adam Mersch)

An der Ausfahrt von Uihel nach Bogarosch, bildet die Straße mit der Hutweide und dem anschließenden Feld ein Dreieck. Dabei sind Katheten einerseits die Wiese anderseits die Grenzlinie zum Acker. Die Hypothenuse dazu bildet die Straße von der letzten Gasse bis zu dem Kreuz. Weshalb beschreibe ich diesen Platz so eingehend? Hier gruben die Soldaten der rum. Armee im 1938 Schützengräben gegen die Ungarn deren Angriff sie befürchteten. Dabei stieß man auf Gräberfelder von denen niemand wusste, von der keine Chronik erzählte und die nicht erklärt werden konnten. Auf diesem Gebiet befand sich auch keine Ansiedlung. Ein Rätsel das man nicht erklären konnte. Doch betrachteten wir uns die Fakten näher:

 

Fakten:

-  Die Skelette befinden sich in einer Entfernung von etwa 200 m vom Dorfrand entfernt.

-  Sie liegen in Schichten von etwa 5 - 6 übereinander und auf einer Länge von ca 60 m.

-  Es wurden sowohl Skelette von Erwachsenen wie auch von Kindern gefunden.

-  Bei einem Kind fand ich am Unterarm den einen Unterarmknochen gebrochen und wieder verwachsen. Dabei waren die Bruchstücke aber nicht exakt übereinander gefügt sondern seitlich voneinander verwachsen. Dies läßt den Schluß zu daß der Bruch nicht von fachkundigen Menschen behandelt wurde, sei es nun ein Heilpraktiker wie er ja schon von primitiven Völkern eingesetzt wurde, sei es ein Arzt wie diese ja schon im frühesten Zeitalter der Menschen tätig waren. Waren diese Menschen so bedurftig daß sie sich eine Fachkraft nicht leisten konnten, waren keine Fachkräfte vorhanden oder erlaubten die Umstände es nicht solche einzusetzen?

-  Schon der Umstand daß die Toten in solchen Mengen vorkommen - ihre Zahl dürfte wohl jede Grenze von Todesfällen bei der damaligen Pest, bzw. Choleraepidemie überschreiten - dabei beziehe ich mich auf das benachbarte Dorf Bogarosch das ja im 17. Jahrhundert angesiedelt wurde. Die beiden Dörfer die unmittelbar neben der Grabungsstelle sich befinden waren ja erst vor 100 Jahren angesiedelt worden, kamen somit nicht in Frage. Ein Massen sterben in diesen Gemeinden wegen Epidemien ist auszuschliessen, da sowohl Neusiedel erst im 1843 wie auch Alexanderhausen angesiedelt 10 Jahre früher keine Epidemien hatten und auch zahlenmäßig den Mengen der Toten nicht entsprechen würden.

-  Eine zweite Frage ergiebt sich hier. Hier haben wir es mit einer Massen bestattung zu tun, was ja im Falle einer Epidemie unvorstellbar wäre. Täglich starben in den Gemeinden etwa 3 - 4 Menschen. Diese konnte man auf keinen Fall konservieren schon der Seuchengefahr- sprich Ansteckungsgefahr um sie dann auf einmal zu beerdigen. Das widerliegt die Hypothese daß diese Toten Opfer einer Seuche sind.

-  Die Toten waren nicht mit dem Kopf in der Richtung nach Mekka bestattet, was somit beweist daß es sich nicht um Mohammedaner handeln kann - Türken .

-  Totenbeigaben fand man nicht ja selbst Spuren einer Bekleidung fehlte. Auch Waffen oder Schmuck fehlte oder wurde wenigstens nicht gefunden. Die Toten der Epidemien wurden aber mit Särgen bestattet, was anzunehmen ist.

-  Die Skelette waren in etwa 5 Reihen sauber übereinander geschlichtet, was einer übereilten hastigen Beerdigung widerspricht. Die Gelenksknochen waren am Schaft noch in wesentlich gutem Zustand, während der Gelenkskopf schon start porös schien. Die Zahngebisse bei den überprüften Schädel waren ziemlich intakt, ich fand keine Kiefer mit Zahnlücken. Die Zähne selbst waren an der Kaufläche ziemlich abgeschliffen, was wohl einen Schluß auf das Alter der entsprechenden Person zuläßt jedoch nichts über das Alter der Grabstelle aussagt. Das Knochenmark war zu einer spongiosen / schwammartigen Masse eingetrocknet.

-  Die erste Reihe der Skelette lag in einer Tiefe von höchstens 40 - 50 cm. Zieht man davon noch die von der Natur im Laufe der Zeit aufgetragene Erdschichte von vielleicht 10 cm ab, - die Stärke hängt ab von der verflossenen Zeit wie auch von den Umständen - so verbleibt eine Abdeckung von etwa 30 cm. Das ließe den Schluß zu daß diese Toten in der Eile verscharrt wurden.

-  In der Chronik der Gemeinde Bogarosch ist von einem Massensterben und als Folge beerdigung in einem Massengrab keine Rede.

-  Die Grabstelle befindet sich unter der Rasendecke einer Wiese. Wie jedoch aus historischen Quellen bekannt, war dieses Gebiet von je her Weideland. Es ist also anzunehmen daß dieser Fleck Boden auch bei der Ansiedlung der Gemeinde Neusiedel, unberührt blieb.

-  Die Grabstelle ist etwa 100 m von der Kaule entfernt aus welcher schon immer Erde für Mauerarbeiten oder aber zum Auffüllen gegraben wurde. Man fragt sich nun wieso man bei der Ansiedlung der Gemeinde, damals als doch sicherlich auch Erde hier gegraben wurde, keine Skelette gefunden wurden? Oder schwieg man sich darüber aus und ging einfach darüber hinweg?

-  Auf der Stirnseite, Westseite, beginnt das Ackerland. Hier wurden scheinbar keine Skelette gefunden, denn bei dieser geringen Tiefe wäre es undenkbar daß durch Pflügen keine Knochen an die Oberfläche gekommen wären.

-  Eine Besonderheit gibt jedoch zum Denken Anlaß. Ungefähr 100 m von der Grabungsstelle in Richtung Süden ganz neben dem Graben der die Hutweide begrenzt, dort wo die Batterie der Artillerie der Wehrmacht stand 1944 / war der Teil eines Gewölbes freigelegt worden, der aber auch im Innern mit Erde ausgefüllt war. Die gebrannten Backsteine waren rechteckförmig jedoch mit anderen Maße als die uns bekannten Backsteine. Die Länge betrug etwa um 5 cm mehr als die Breite. Dieser Boden war ja sozusagen jungfräulicher Boden und die Grasdecke darüber war vielleicht schon viele Jahrhunderte alt. Was barg nun dieses Gewölbe? Welches Rätsel gibt uns dieses Bauwerk? Es ist doch unwahrscheinlich daß man dort wo Massen von Totel scheinbar fluchtartig verscharrt wurden ein Grabmal für Priviligierte errichtet. Oder hat das Bauwerk mit dem Massen grab nichts gemein? Es wäre ungemein wichtig die Zeitperiode festzustellen in die der Fundort einzustufen ist.

Es ist schwer von Knochen die entblößt von allem was uns mit dieser Welt verband zu fragen. Sie hören nicht mehr, sie sehen nicht mehr, sie bewegen sich nicht mehr, sie schweigen. Eine Altersbestimmung mit der Carbon 12 Methode wäre möglich, ist aber zu kostspielig und für Privatpersonen unerschwinglich. Amtliche Stellen die darum gebeten wurden zeigten sich uninteressiert. Kein Holzstück, kein Keramikstück oder sonst einen Gegenstand gibt es der als Anhaltspunkt dienen könnte. Vielleicht würden sich ja Sachen finden die als Schlüssel zu dem Gehimnis dienen könnten. Dazu müßte man weiter graben. Das tut aber niemand weil die Welt zu sehr auf sich selbst bedacht ist. So wird es ein Rätsel bleiben und die Vergangenheit breitet den Schleier der Vergessenheit über ein schreckliches Geheimnis aus das so viele Wesen das Leben gekostet hat.

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