Die vor- militärische Ausbildung und Musterung in den Jahren 1920 - 1944  (von Peter Marx)

Nach dem ersten Weltkrieg 1914 - 1918 wurde von Ungarn ein großer Teil des Banates und auch Siebenbürgen an Rumänien angegliedert. Vorher dienten die deutschen wehrpflichtigen Männer in der österreichischen und ungarischen Armee wo die militärischen Befehlen in deutscher oder ungarischer Sprache ausgesprochen wurden. Schon in der Volksschule lernten die deutschen Kinder die ungarische Sprache weil sie als Landessprache verpflichtet in allen Schulen Ungarns eingeführt wurde. Das war ein Vorteil für die deutschen Männer welche in der ungarischer Armee gedient hatten. Während des ersten Weltkrieges wurden alle junge Männer welche das 18-te Lebensjahr erreicht hatten zum Militär einbezogen. Als im Jahre 1919 unser Gebiet an Rumänien angeschlossen wurde, so hatte der rumänische Staat wieder die Jahrgänge 1899 und 1900 rekrutiert, obwohl diese Männer schon im ersten Weltkrieg ihren Militärdienst in der ungarischen Armee abgelegt hatten. In der Gemeinde Neusiedel waren davon folgende Männer betroffen: Jahrgang 1899 - Johann SCHIPPER sen., Johann HUBER sen., Johann JANOSCH, Michael SEHI, Franz LICHTFUß (ist während der Militärzeit in Pitesti verstorben), Michael DINJER (verweigerte sich und war in der Gemeinde Ostern bei seinen Verwandten versteckt gewesen). Jahrgang 1900 - Adam EBNER sen.,  Michael SPRINGARDT, Josef KRATOCHWILL sen. Es war sehr schwer für diese Männer in der rumänischen Armee zu dienen weil sie die rumänische Sprache nicht kannten. So hatte die rumänische Behörde für die nachfolgenden Jahrgängen eine vor- militärische Ausbildung (premilitarie) eingeführt. Alle Burschen ab dem 18-ten Lebensjahr mußten diese Ausbildung jeden Sonntag vormittag 3 Jahre lang mit machen. Die jungen Burschen der Jahrgängen 1916, 1917, 1918, wurden jeden Sonntag vormittag mit dem Gemeindefuhrwerk 3 Jahre lang von Uihel nach Perjamosch zum Stuhlbezirk gebracht, wo sie ihre militärische Übungen erlernten. Sie hatten  gleiche Uniformen getragen: grüne Hose, grüne Strümpfe, grünes Hemd und grüne Mütze. So besuchten sie gemeinsam auch die heilige Messe in der Kirche zu Perjamosch. Der Jahrgang 1919, 1920 und 1921, konnte schon in der Nachbargemeinde Bogarosch ihre militärische Ausbildung erlernen. Da dieser Ort kaum 3 km von Uihel entfernt liegt, sind die Burschen mit ihren Fahrräder hingefahren. In der Winterzeit gingen sie zu Fuß oder ritten mit dem Pferde zum Übungsplatz.

Mit 20 Jahren kamen die Jungen zur Musterung. Der Gemeinde Richter bestellte ein Fuhrwerk und fuhr persönlich mit den Rekruten zum Stuhlbezirk Perjamosch zur Musterung. Am Abend wurden die Rekruten schon am Rande des Dorfes Uihel / Neusiedel, von der Blaskapelle oder einem Harmoniuespieler empfangen. So marschierten die Rekruten mit klingender Marschmusik in das Dorf herein. Man besuchte jedes Haus wo ein tauglicher Rekrut wohnte, da gab es zu essen und zu trinken. Danach marschierten die Rekruten zum Gastwirt Lichtfuß in das Tanzsaal, wo auch das Rekruten-Ball stattfand. Die ganze Jugend war dazu eingeladen. In Friedenszeiten war es für jeden Jungen eine Ehre und Stolz einen tauglichen Rekrut zu sein. Mit 21 Jahren wurden die Rekruten zum Militärdienst eingezogen. Die Rekruten aus dem Banat wurden in die alten Landesteilen Rumäniens nach Oltenien, Muntenien, Moldova, Besserabien, oder Sathmargebiet verschickt. Dagegen kamen die Rekruten aus den alten Landesteilen in das Banat nach Temeschburg, Arad u. a. Städten. Es gab auch Rekruten welche sich freiwillig 1 Jahr früher zum rumänischen Militärdienst gemeldet hatten. Diese Gelegenheit nutzten einige Musikanten aus, welche dann in Temeschburg, Lugoj, Orschowa u. a. Städten im Banat ihren Militärdienst abdienten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die deutschen Jungen für den Wehrdienst ausgeschlossen. Dafür mußten sie 3 Jahre lang Arbeitsdienst auf sozialistischen Großbaustellen und in den Kohlengruben arbeiten.

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