Das Lichtfusswirtshaus und sein Wirt (von Magdalena Dian)

Es war der Ort an dem, in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und auch noch während des zweiten Weltkrieges, der größte Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens unserer Gemeinde stattfand.

Alle Dorfbewohner, die in dieser Zeit lebten, kannten das Gebäude in der mittleren Gasse Richtung Alexanderhausen auf der rechten (südlichen) Seite. Es war das dritte Haus nach der Schule und hatte nach der letzten Nummerierung die Hausnummer 185 (vor 1945 war die Hausnummer 125 und die Ansiedlungsnummer war 77).

Mein Großvater, der Gastwirt Franz Lichtfuß, wurde im Dorf 'de Werts Vetter Franz' oder ganz einfach 'de Wert' genannt. Er wurde am 14.02.1886, als drittes Kind der Eheleute Franz Lichtfuß und Anna geb. Zwergal, in Neusiedel geboren. Sein Elternhaus war das Haus Nr. 165 (141, 87). Als ältester Sohn der Familiemusste er schon früh in der Landwirtschaft mit Hand anlagen und da seine Mutter früh starb, hatte er sich fürsorglich um die kleineren Geschwister gekümmert.

Die Fürsorge für seine Familie war nach meiner Erfahrung ein Charakterzug der auch sein ganzes späteres Leben prägte. Ein anderer Charakterzug der mir auffiel war seine Bescheidenheit. Eine Eigenschaft die man wohl den meisten seiner Zeitgenossen zuschreiben konnte und die aus der wirtschaftlichen Situation, der damals recht kinderreichen Familien, folgte. In jener Zeit mussten die Kinder oft die Kleidung mit den Geschwistern teilen und sie bekamen im Winter morgens ein paar warme Kartoffeln in die Taschen um die Hände zu wärmen und als Jause in der Schule.

Meine Grossmutter, Margaretha Lichtfuß geb. Ott, wurde am 22.08.1891 als zweites Kind der Eheleute Eberhard Ott und Katharina geb. Beitz in Neusiedel geboren. Ihr Elternhaus, das Haus Nr. 9 (114, 70), steht heute nicht mehr. Nachdem ihr Vater früh verstarb, blieb die Mutter als junge Witwe mit drei Kindern zurück und die Großeltern Ott nahmen sich der Kinder an. So wuchs meine Großmutter im Hause ihrer Großeltern auf, das sie später erbte (eingetragen im Grundbuch unter der Nummer 298) und wo danach auch das Wirtshaus stand.

Meine Großeltern heirateten am 17.04.1910. Am 29.08.1912 wurde, als einziges Kind der Familie, meine Mutter geboren.

Nach der Kriegseröffnung Österreich-Ungarns gegen Serbien am 28.07.1914 erfolgte die allgemeine Mobilmachung und auch in unserer Gemeinde mussten die kriegstauglichen Männer einrücken. Mein Großvater musste von 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teilnehmen.

Als die Männer, die den Krieg überlebten, nach der Kapitulation und Gefangenschaft heimkehrten, war die Monarchie Österreich-Ungarn zusammengebrochen und das Banat, nach dem Vertrag von Trianon 1920, in drei Teile geteilt, wobei unser Gebiet Rumänien zugesprochen wurde.

Einige Jahre nach Kriegsende beschloss mein Großvater, neben seiner Bauernwirtschaft, ein Wirtshaus zu betreiben.

Vorgänger war das sogenannte Gemeindewirtshaus, bei der Ansiedlungs Haus Nr. 20 südlich vom Gemeindehaus, welches zuletzt von der Familie Christoph Schütz betrieben wurde. Der Familie Schütz gehörte dieses Grundstück bis zur Enteignung.

Auf der dem Bauernhaus gegenüberliegenden Hofseite wurden die benötigten Räumlichkeiten erbaut.

Nach einer beglaubigten Abschrift vom 08. September 1934 aus dem Gewerberegister des Bezirks Perjamosch, unter D Nr. 1 1923, wurde meinem Großvater am 02. Januar 1923 die Berechtigung erteilt, sich als Gastwirt zu betätigen.

Nach einigen Jahren erwiesen sich die Räumlichkeiten als unausreichend und nach der Heirat seiner Tochter – meine Eltern Margaretha und Franz Dian heirateten 1931 – beschloss mein Großvater einen An- und Umbau des Wirtshauses vorzunehmen. Dieses Vorhaben wurde in den Jahren 1933 und 1934 in die Tat umgesetzt.

 

Oben: Das Lichtfuß Familien Haus, Tor, Restaurant und Tanzsaal in 1952 (die Tür auf der linken Seite war die Eingang zum Restaurant und die Tür auf der rechte Seite im Bild war die Eingang zum Tanzsaal), und das Tanzsaal wie es in 2002 aussiehte. N.B. Die Leute die vorne vom Wirtshaus in 1952 stehen sind die Leute die geholfen haben, das Gebäude zu räumen als es von der Kollektiv übernommen war. Der Wirt und seine Frau sind in 1951 in den Bãrãgan deportiert, zusammen mit mehrere andere Uiheler Leute, und die nur erst in 1956 wieder nach Uihel zurückgekommen sind. Sie durften nicht in ihres eigenes Haus einziehen bis einige Jahre später. Man sieht wie die Gebäude schon zerfallen waren. Die andere Bilder: Franz Lichtfuß an der 1924 Kirchweih; die Lichtfuß Grabsteine in der Uiheler Friedhof.

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