Chronik - Kurzfassung der Geschichte des Banat's, der Banater Schwaben und des Orte's Neusiedel (Uiheiu)

Das Banat war in Urzeiten Heimstätte längst verschwundener, vergessener Völker. Über diese Zeit gibt es kaum Aufklärung. Umso mehr aber ist aus der Zeit der Daker und Römer bekannt. Das Banat war Aufmarschgebiet der Römer gegen das Reich der Daker (100 n. Chr.) dessen Hauptstadt 'Sarmizegetura' im Banater Bergland lag.

Somit wurde es römische Provinz (bis 270 n. Chr.). Die Römer gründeten viele Städte, so auch das heutige Herkulesbad. Danach kamen unruhige Zeiten, viele fremde Stämme durchzogen das Land. Besonders unten den Türken hatten die Bewohner viel zu leiden. Die Einwohner flohen oder wurden in Türkische Verbannung verschleppt. Durch diese Umstände wurden Haus und Hof vernachlässigt, Grundstücke nicht mehr bebaut, eine mit Rohr- und Binsenwuchs bewachsene Wildnis machte sich breit.

Nach fast 200-jähriger Türkenherrschaft wird das Banat als Folge des Sieges von 'Prinz Eugen' 1716 bei Peterwardein, vom Türkenjoch befreit und der Wiener Hofkammer unterstellt. Danach wurden die ersten Pläne zur Besiedlung des Banat's mit deutschen Kolonisten entworfen. Im Jahre 1717 - 1726 kommt der erste Schwabenzug zu Stande. Die Ursache der Auswanderung aus Deutschland war die Verarmung und Verelendung der Bevölkerung in den von den Raubkriegen zwischen Frankreich und Deutschland betroffenden Gebieten.

Das Banat wurde durch die Österreicher in 13 Bezirken eingeteilt. Im Jahr 1726 gab es im Banat schon 633 Ortschaften mit 21,289 Häuser. Trotz der Entbehrungen und Opfer an Gut und Leben durchstehen die Deutschen Siedler alles und das Banat wird ein fruchtbares Land. Aber es währte nicht lange und die Türken brachen erneut in das Land ein und verwüsteten schonungslos die Heimstätten, plünderten, mordeten und schleppten Tausende in die Sklaverei. Dazu kam noch die Pest und wütete in den Reihen der gequälten Menschen. Um die entstandenen Lücken zu schliessen folgte in den Jahren um 1763 - 1770 der zweite Schwabenzug. Jetzt wurden hauptsächlich Dörfer in der Banater Heide angesiedelt, wie Sackelhausen, Hatzfeld, Gottlob, Biled und im Jahr 1769 wurde unsere Nachbargemeinde Bogarosch gegründet. Im Jahr 1782 folgte dann der dritte und letzte Schwabenzug. Aber auch dann fordete das Sumpffieber und die Cholera ihre Opfer. Ein Beispiel ist Biled; hier starben innerhalb von 6 Jahren 908 Einwohner.

Bei diesen hohen Sterbeziffern wären die Dörfer nach kurzer Zeit ausgestorben wenn die grosse Geburtenzahl und der ständige Nachzug die Lücken nicht geschlossen und überboten hätte.

Im Jahre 1788 verwüsteten die Türken erneut 134 Ortschaften des Banat's. Es ist falsch zu behaupten, das es damals nur schwäbische Siedler gab; es gab fünfmal mehr andere Nationen dort als Deutsche, z.B. Serben, Rumänen, Ungaren u.a. mehr.

Die günstige geographische Lage, der fruchtbare Boden und vor all der ermüdliche Fleiss der Schwaben führten zu einer schwungvollen Entwicklung. Als Folge entstanden Tochtersiedlungen. Der Familienüberschuss älterer Ortschaften gründeten neue Ortschaften. So entstand 1833 unsere Nachbargemeinde Alexanderhausen. 1836 forderte die Cholera binnen dreier Monate 107 Menschenleben.

Schliesslich wurde 1844 das Dorf Neusiedl (rum. Uiheiu, ung. Uihey / Ujhely) mit 80 Sessionen angesiedelt. Die Ansiedler verpflichteten sich vertraglich, 20 Jahre hindurch, für 16 Joch Feld, 221 Gulden und 20 Kreuze jährlich zu bezahlen. 96 Hausplätze wurden vergeben. Die Häuser mussten nach bestimmten Konstruktionen gebaut werden. Der Hausgiebel hat gegen die Strasse - oben abgerundet - zu sein, das Haus selbst musste auf der einen Grenze des Grundstück's stehen um eine Symmetrie herzustellen und um die Feuergefahr zu vermindern. Stallungen und Schuppen dürften nicht quer, sondern nur in Fortsetzung des Hauses angebaut werden.

Die Ansiedler von Neusiedl (jetzt Uihel im Sprachgebrauch) waren keine Freibauern und oft wurde die Nichteinhaltung des Pachtvertrag's hart bestraft.

Das Jahr 1848 war berufen so manches zu ändern was nicht mehr haltbar war. Der Bauer der bis jetzt geknechtet und nur zum Robot leisten und Zehent zahlen herangezogen wurde, ist nach den grossen Reformen von 1848 ein freier, gleichberechtiger Bürger geworden, erlöst von den adligen Grundherren. Der Ungarische Freiheitskampf von 1848 löste diese Reformen aus. Am 18. August 1848 wurde der strenge Befehl in Bogarosch erteilt; Sämtliche Waffenfähige Männer - von 16 bis 60 Jahre - mit Gewehr, Sense oder Knüppel müssen nach Grosskomlosch eilen und gegen die Serben kämpfen. Die Führung hatte der Stuhlrichter Johann Buocz mit dem Hauptmann Ispan Mathias Hrabes von Neusiedl.

Die Expedition dauerte 8 Tage, danach kamen sie recht fröhlich und gesund, jedoch ausgehungert zurück. Im Monat Oktober desselben Jahres wurden der Ungarischen Armee 10 Rekruten abgestellt.

Das Dorf selbst hat sich rasch entwickelt, ein Haus wurde als Schule und ein weiteres als Gotteshaus errichtet, 6 Kleinhäusler bekamen Plätze zugewiesen aber Feld bekamen sie noch nicht. Zunächst wurden nur die Besitzer die die Felder schon eine Zeit lang bearbeiteten.

Es dauerte dann bis zur Jahrhundertwende bis dann der wirtschaftliche Durchbruch kam. 1902 wird der Grundstein zur neuen Schule gelegt und 1906 wurden die ersten schulpflichtigen Kinder dort unterrichtet. Doch 1914 brach der erste Weltkrieg aus und viele Männer wurden für fremde Interessen auf das Schlachtfeld geschickt. 13 Männer fallen, 5 blieben vermisst, 8 starben in der Fremde und 4 in der Heimat.

Im Jahre 1919 wird das Banat Rumänien zugesprochen, dass vorher zu Österreich-Ungarn gehörte. 1943 zogen wieder Banater Schwaben in den Krieg der verheerende Folgen haben sollte. Dabei sind 22 Männer gefallen und 11 Personen in verschiedenen russischen Arbeitslagern umgekommen, auch die Strapazen der Baragan-Verschleppten und mach anderes mehr bleibt für den Schreiber der Geschichtsfortsetzung zu erwähnen und auf zu gliedern.

N.S. Zu erwähnen wären noch die Gründung der folgenden Gemeinden:  1765 Biled; 1766 Hatzfeld; 1767 Lenauheim und Grossjetscha; 1768 Grabatz; 1769 Bogarosch; 1770 Kleinjetscha, Marienfeld und Kleintermin; 1772 Triebswetter, Gottlob und Kleinkomlosch. Erst später Lovrin, Komlosch, Wiseschdia; 1833 Alexanderhausen und Neusiedl 1844. Jahre hindurch wurde immer Kirchweih gefeiert, dabei hat der Rosmarinstrauss (auch im täglichen Leben) und bei besonderen Anlässen eine grosse Rolle gespielt. 'Rosmarin; Sinnbild für Liebe, Treue und Tod'.

"Es gibt ein Wort das schöner klingt als im Blau die Lerche singt. Es gibt ein Wort wie Zauberbann dem kein Menschenkind entrinnen kann. Es gibt ein Wort, nichts ist ihm gleich und wäre es selbst das Himmelreich. Ein Wort das wie das Morgenrot aufstrahlt über Grab und Tod - und das Wort heisst; 'Heimat!'"

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Ich bedanke mich an Hans-Johann Schmidt, der mir dieses Chronik das von Lissi ENGELMANN geschrieben war, geschickt hat.

Oktober 2005.

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