ICH HATT' EINEN KAMERADEN

 

Ganz stumm und starr lagst du vor mir,

ich konnt' die die Hand nicht reichen,

die Wangen hohl, die Lippen fahl,

ein Zerrbild deinesgleichen.

 

Vielleicht sahst du in letzter Stund'

im Geist die Heimat wieder

und lauschtest still im Abendrund

den heimatlichen Liedern.

 

Der gebrochene Blick, er tut's nicht kund

was zuletzt dich noch bewegte.

Es verschweiget auch der bleiche Mund

was sich in deinem Herzen regte.

 

Kein Glockenton begleitet dich

auf deinem letzten Wege,

nur knirschende Schritte tief im Schnee

ganz monoton und träge.

 

Wir brachten dich zur letzten Ruh,

tief im Herzen Heimweh zehrte.

So ruhe sanft mein Kamerad,

schlaf wohl in fremder Erde!

 

Und kehrt der Frühling wieder ein,

blüht der Busch am Wegesrand,

so sei des Vogels Lied im Strauch

ein Gruss vom Heimatland.

 

Den toten Kameraden der Verschleppung nach Rußland 1945-49 gewidmet.

A. Mersch

 

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