Das Hausbrot und Flammkuchen backen von Johann Schimmel

Die Hauptbeschäftigung der Neusiedler Bewohnern war die Landwirtschaft. Eines der Hauptfeldfrüchte war der Anbau von Weizen, welcher zur Ernährung der Menschen benutzt wurde. Ein jedes Haus hatte einen großen Lehmofen in der Stube, Kammer oder Sommerküche aufgebaut. In einem diesen Öfen, wurde das ganze Jahr hindurch Brot gebacken. Mit dieser Aufgabe waren die Hausfrauen betreut. Es war keine leichte Arbeit gewesen zweimal wöchentlich Brot zu backen. Das Mehl lag in mehreren Mehlsäcken auf dem Hausboden auf dem Balgen. Der Mehlsack wurde von Zeit zu Zeit aufgelockert, damit sich das Mehl nicht fest legt. Scvhon am Vortag holte die Hausfrau das Mehl von dem Hausboden herab in die warme Küche, damit es sich aufwärmt. Danach siebte sie das Mehl in den Backtrog (Molder), in die Mitte wurde eine Mulde gemacht, wo die Hefe oder der Sauerteig hinein gegeben wurde. Anschließend gab man lauwarmes Wasser darauf damit die Hefe aufgeht, dann wurde es ruhen gelassen bis die Hefe gut aufgegangen war. Danach kam der Rest Mehl mit Wasser dazu oder wenn man Molken hatte, konnte man diese mit Wasser mischen. Danach kam wieder etwas Mehl dazu und wurde zu einem lockeren Teig geknetet. Erst wenn der Teig sich von dem Backtrog löste, hörte die schweißgebadete Hausfrau auf zu kneten. Der Teig wurde mit einem weißen feinen Hanf Tischtuch abgedeckt. Erst nach 2 Stunden war der Teig zum backen geeignet. In der Zwischenzeit wurde der Backofen mit Maisstengel oder Stroh geheizt. Die glühende Asche wurde mit einem Kehrbesen zur Seite gekehrt und mit einer Holzschaufel welche einen langen Stiel hatte, dann gleichmäßig im Ofen verteilt. Der Teig wurde in mehrere rundförmige Brotbleche getan und mit der Holzschaufel in den Ofen geschoben. Die 3 - 5 Brotlaibe lagen nur in kleinem Abstand neben einander im Backofen. Nach etwa 2 Stunden war das Brot gebacken. Bei jedem Brotbacken wurde auch der Flammkuchen gebacken. Der Brotteig wurde ausgewalkt, in ein breites Bleck getan, mit Speclkseiten vom Schwein belegt und mit Salz oben darauf gestreut. Der Flammkuchen war in einer halben Stunde gebacken und wurde am liebsten bei uns Kinder warm gegessen. Das kleine Dorf Neusiedel hatte keine Bäckerei gehabt. Erst nach dem Jahr 1970 hatte die Kollektivwirtschaft im Hause des Josef Wolz einen Backofen aufgebaut, wo ein Bäckermeister aus Marienfeld eine kurze Zeit Brot für die Bewohner Neusiedels gebacken hatte. Durch Mangel der Bäckerberufe und den Zerfall der Kollektivwirtschaft löste sich auch die unrentable Bäckerei in Neusiedel auf.

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Die zwei Bilder oben sind von  Elisabeth Schimmel (geb. Staub) beim heizen des Ofens in 1982 für das Brotbacken, und Johann und Susanna Lambing (geb. Engelmann) mit einem Laib Hausbrot und Flammkuchen in 1972.

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