Die grausamen Diebstähle in Neusiedel (von Peter Marx und Johann Schimmel)

Die kleine Ortschaft Neusiedel a. d. Heide / Uihel, gehört zu den jüngsten Ansiedlungdörfer der Banater Heide. Sie entstand in den Jahren 1843/44 durch die Binnenwanderung von den umliegenden Nachbardörfer: Alexanderhausen, Billed, Großjetscha, Lenauheim, Grabatz, Bogarosch u.a. Die Bevölkerung befaßte sich mit der Landwirtschaft und Viehzucht. Die Verkehrswege unserer Gemeinde waren so eingeteilt, so daß man die Nachbardörfer auch über den Hotter durch die Feldwegen erreichen konnte. Die fleißigen armen Bauern von Uihel hatten sehr viel gearbeitet, denn sie waren interessiert ihre jährliche Schulden abzuzahlen, was leider nur wenigen Bauern gelungen ist. Der Viehstand mußte vergrößert werden, besonders die Zugkraft der Pferde waren für den Nachwuchs angeboten. Obwohl sich der wirtschaftliche Aufschwung sehr langsam entwickelt hatte, wurden die Bauernhöfe mehrmals von Raubüberfällen bedroht.

Sehr bekannt war die Räuberbande aus dem weit entfernt liegenden alten Dorf Großkomlosch. In dieser Ortschaft wohnten zum größten Teil Rumänen und auch viele Zigeunder. Vermutlich wurden sie schon während der Türkenherrschaftzeit von Oltenien zwangmäßig nach Großkomlosch gebracht. Diese Räuberbanden hatten einen Umkreis von 50 km breit (Großkomlosch - Billed) wo sie ihre Diebstähle ausübten. Im Sommer während der Weizenerntezeit kamen diese Räuberbanden mit 5 - 6 Wägen nachts angefahren und stählten aus der Mitte der geschnittenen Weizenfelder die Weizengarben und fuhren mit den vollgeladenen Wägen über die Feldwege nach Großkomlosch. Besonders spezialiert waren sie für den Pferdediebstahl. Sie stählten auch nachts aus der Stube welche in vielen Bauernhäuser als Paradezimmer gehalten wurde, wo Bettzeug, Leintücher, die bessere Kleidung, gewebte große Hanftücher, Hanfsäcke, die in den Betten unterm Strohsack lagen. Auch die Schafwolle oder den vollen Schweinefett Vorrat u. a. nützliche Gegenstände, und suchten in den Kästen auch nach Geld und Goldschmuck. Sehr betroffen waren die Bauernhäuser welche am Dorfende wohnten.

Anfang des Jahres 1900, versuchten die Räuber bei Familie Adam Nothum und Johann Nothum mit dem Ansiedlung Haus Nr. 43, welches das letzte Haus in der Straße wo man nach Bogarosch fahrt, einzubrechen. Die Räuber hatten Brecheisen und Maurerklammen bei sich. Die Hunde bellten sehr laut und beide Brüder erwachten aus dem Schlaf und konnten die Räuber vertreiben. Ein Räuber wurde nachträglich von der Gendarmerie gefangen und man hatte diesen Räuber zum Tatort gebracht wo er einbrechen wollte und mußte am Tage vorführen wie er es nachts gemacht hatte.

Im Jahre 1910 wurde bei Familie Peter Bednar (Findei) Ansiedler Haus Nr. 27a, welcher in der mittleren Gasse das letzte Haus neben der Hutweide wohnte, aus dem Stall ein Pferd gestohlen. Peter Bednar schlief im Sommer in der Hausflur (Gang) wo man doch alles hörte was im Hof vorgeht. Er lag wach sehr ruhig im Bett, hörte mehrere Räuber durch den Hof in den Pferdestall gehen. Aber ein Räuber stand mit der Axt in der Hand vor seinem Bett für wann Peter Bednar aufstehen würde dann sofort auf seinen Kopf schlagen kann. So rührte sich Peter Bednar nicht im Bett und schnarchte weiter als hätte er den tiefsten Schlaf. Das Pferd wurde aus dem Stall durch die Scheune in den Garten geführt, dort brachen die Räuber an dem Zaun ein großes Loch durch und führten das Pferd mit ihren Fohlen über die Hutweide zu ihren Wägen. Als die Räuber hinter dem Tierenfriedhof (Schinderplatz) vorbei fuhren konnte die Fohlen nicht mehr so schnell mit laufen. Da hatten die Räuber den Fohlen getötet und in ein Weizenfeld geworfen. Erst als der Weizen geschnitten wurde fand man das Skelett des Fohlen. Peter Bednar stand auf von seinem Bett erst als die Räuber fort waren. Er lief zu seinen Verwandten über den Garten zu Adam Nothum welcher dann mit seinem Fuhrwerk den Räubern nachfuhr aber in der Dunkelheit konnten sie nicht mehr die Diebe einholen. Später nach 2 Monaten erfuhr Peter Bednar das es die Komloscher Räuber waren. Die Gendarmen fuhren mit Peter Bednar nach Großkomlosch an den Stall wo die Räuber viele Pferde versteckt hielten. Leider hatte er sein Pferd nicht mehr erkannt. Ein Pferd war so ähnlich wie seines aber es hatte am Kopf einen weißen Pleß. Da sein Pferd keine weiße Haare am Kopf hatte, konnte es Peter Bednar nicht mit nach Hause nehmen. Die Räuber waren so schlau gewesen, sie hatten am Kopf des Pferdes ein Teil der Haare gebrannt und es wuchsen weiße Haare von dem verbrannten Fleck heraus. Die Räuber hatten die gestohlene Pferde weiter in die serbischen Ortschaften verkauft.

Im Jahre 1916 waren zum zweitenmal die Räuber in diesem Haus eingebrochen. Damals war Peter Bednar beim Militär einberufen gewesen. Da hatten die Räuber 2 Pferde gestohlen. Ein Räuber schlug mit der Gartenhacke in die Haustür und verletzte Bednar seine Frau auf der Brust. Die Frau rief vor Angst nach ihren Mann: Peter, Peter! und auch ihre zwei Töchter Eva und Magdalena Bednar riefen nach ihren Vater. Einer von den Dieben antwortete gebrochen in deutsch: "Wir wissen schon wo Euer Vater ist" (im ersten Weltkrieg). In manchen Bauernhäuser hatten die Räuber auch Lebensmittel, Mehl, Schinken, Speckseiten, Wurst, Hühner und Gänse gestohlen.

Im Jahre 1921 wurde bei Peter Mettler zu Haus Nr. 51 eingebrochen. Es war auch in der Sommerzeit, der Weizenhaufen stand schon in der Scheune. Die Hunde fingen an sehr laut zu bellen. Peter Mettler erwachte von seinem Schlaf und hörte ein Geräusch in der Scheune. Er ruft schnell seinen Bruder Josef auf und ging rasch zu den Nachbarsleute um Hilfe. Gemeinsam gingen sie dann gegen die Scheune. Die Räuber liefen den Garten hinaus. Ein Räuber welcher schon im Stall war wollte dann durch das Mistloch auf den Mist kriechen. Peter Mettler war schneller heraus auf dem Misthaufen vor dem Mistloch gestanden. Er hatte eine Mistgabel in der Hand und als der Räuber den Kopf durch das Mistloch heraus streckte, schlug Peter Mettler mit der Mistgabel mit voller Kraft auf den Dieb welcher tot liegen blieb. Die Nachbarn gingen vorne in den Hof und warteten was die Räuber jetzt machen. Die Räuber welche in den Garten liefen kamen nach einer halben Stunde später wieder zurück in die Scheune und holten ihren verletzten Kameraden mit sich. Die Dorfbewohner hatten Angst, die Räuber werden vor Rache vielleicht den Weizenhaufen anbrennen. Sie hielten doppelte Wache mit dem Nachtwächter solange die Weizenernte zu dreschen war. So durfte Peter Mettler in diesem Jahr zuerst seinen Weizen im Hof dreschen.

Im Jahre 1922 hatten die Räuber in der Gemeinde Billed gestohlen. Zufällig wohnte in diesem Haus ein Jäger welcher ein Jagdgewehr besaß. Die Räuber saßsen nachmittags bis am Abend in einem Wirtshaus und spielten Karten. In der Nacht gingen sie auf Beute aus. Mit einer langen Leiter kletterten die Räuber nachts auf den Dach und entfernten Dachziegel und kletterten auf den Boden. Der Jäger lauerte und als der Räuber mit einem Sack auf der Mitte der Leiter stand, schoß er auf den Dieb welcher tot von der Leiter herunter fiel. Die Leiche wurde auf den Billeder Friedhof begraben. Zwei Jahre lang fuhren die Angehörigen der Räuber mit dem Fuhrwerk durch Uihel nach Billed auf den Friedhof. In einer Nacht hatten die Räuber ihren Toten vom Billeder Friedhof ausgegraben und nach Hause geführt. Die Uiheler alten Leute saßen abends im Sommer vor dem Haus auf einer Bank und als sie den fremden Wägen sahen durch die Straße nach Bogarosch fahren, sagten sie: "Das sind die Räuber aus Komlosch!" Als die Räuber tote Verluste zu bezeichnen hatten, hörten die Diebstähle mit den Pferden auf. Die Bauernhäuser bekamen an ihren Stall vom Dorfschmiede Eisengitter mit Schloß angefertigt. So konnte kein Pferd mehr so leicht aus den Stall geführt werden.

Nach 1930 - 1944 wurde von den Bauernhöfen nur Geflügel gestohlen. Die Hühner kletterten auf die Bäumen und schliefen im freien. Die Räuber waren meistens die Zigeuner aus Pesak oder Großjetscha. Am Tag kamen sie und verkauften Meerrettich und Krautpflanzen an die Dorfbewohner. Sie sammelten auch die toten Hühner. So hatten sie die Gelegenheit ausgenützt für nachts ihre Beute ausfindig zu machen.

Nach 1946 hatten ein paar rumänische Kolonisten Lebensmittel von den deutschen Familien von dem Hausboden gestohlen. In den späteren Jahren, als sie selbst von dem zugeteilten Feld geerntet hatten, ließ auch das Stehlen nach.

Diese Diebstähle hatten unsere Großeltern miterlebt und ihren Kinder weiter erzählt.

 

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