Als 15-jährige Schuljunge 'unschuldig' bei der Gendarmerie und bei der Sicherheitspolizei (Asiguranza) in Großsanktnikolaus eingesperrt gewesen (von Josef Tittel und Hans Schimmel)

Im Schuljahr 1947/48 besuchte ich und Josef Engelmann in unserem Heimatort Neusiedel auf der Heide, die 7-te Volksschulklasse. Alle Gegenständewurden noch in rumänischer Sprache unterrichtet. Da schon viele rumänische Kolonistenkinder schulpflichtig waren, unterrichteten schon 2 Lehrers in der Schule. Radu Petru war Schuldirektor und unterrichtete die 5, 6, 7-te Klasse und Lehrer Maginta Ilie die Schulkinder von der 1 – 4-ten Klasse. Lehrer Maginta Ilie kam von Jugoslavien nach Rumänien, beherrschtete die rumänische Sprache, aber sehr schwach die deutsche Sprache. Trotzdem wurde er von der deutschen Bevölkerung unterstützt. Es wurde eine Liste mit gesammelten Unterschriften von den Eltern welche schulpflichtige Kinder in der Schule hatten dem Schulinspektor der Region Temeschburg vorgelegt, damit er Lehrer in inserer Ortschaft bleiben kann. Da in Jugoslavien unter dem Tito-Regim die kommunistische Partei die Staatsmacht hatte, war dieser Lehrer in unserer Gemeinde ein Vorbild für die rumänischen Personen welche auch eine kommunistische Partei gründen wollten. Denn sie bekamen gute Ratschläge von diesem Lehrer. Nachdem König Michael I am 30. Dezember 1947 gestürzt wurde, machte die russische Militärbesatzung Druck auf Rumänien für eine kommunistische Partei zu gründen welche die Regierungsmacht übernehmen sollte. So wurden im Märzmonat 1948 Wahlen für die Volksräte von allen Parteien verkündet. Schon im Februar 1948 wurden Plakaten von verschiedenen Parteien an die Mauern der Häuser oder an einen Holzzaun in der Ortschaft angenagelt oder angeklebt. Darauf stand 'votati soarele' oder 'votati ochiu', d.h., 'Wählt die Sonne' welche die kommunistische Partei war, und die andere 'Wählt das Auge' welche für eine andere liberale Partei gedacht war. Durch die schlechte wechselnde Witterung mit sehr viel Regen, wurden die Plakaten naß. Dazu wehte wochenlang ein stürmischer Wind und riß viele Plakaten ganz ab und schleuderte die Plakaten in die Mitte der Straßen, ja sogar bis auf die Felder weiter. Sehr wenige Plakaten blieben zerfetzt an einem Eckrand hängen.

Die Frühlingsferien der Schulkinder waren gerade in diesem Jahr in der Zeit als die katholischen Ostern stattfanden. Wir Buben spielten sehr gerne Werfballen. In der Karwoche am Mittwoch gegen Abend ging ich mit den Zwillingsbrüder Adam und Hans Schimmel zu meinem Schulkamerad Josef Engelmann welcher in der südlichen Hauptgasse am Eck wohnte für Werfballen zu spielen. Da Kamerad Johann Goschy nur 100m neben in der Nebengasse wohnte, hatte ich auch ihn gerufen zum Werfballen spielen, so waren wir unserer 5 Buben versammelt und spielten am Eck in der Nebengasse auf dem Kinderspielplatz. Es spielten nur 2 Buben gegeneinander Werfball und die andere 3 Buben schauten zu. Vor langweile wie es bei den Buben üblich ist, lief man auch um die Wette, auf der Straße herum. Auf einmal hörten wir in der anderen Nebengasse ein Gramophon spielen. Die Musik hörte man aus dem Hause wo Kamerad Nikolaus Kowatsch wohnte erklingen. So liefen Josef Engelmann und Hans Schimmel in die Nebengasse bis zum Ende des Gartens von Wolzwagner, auch Hollosch genannt, und hörten den Musik zu. Auf dem Rückweg liefen beide wieder um die Wette bis an den Tiefbrunnen zum Wolz welcher in der Hauptgasse neben dem Einfahrtstor steht. Sie pumpten Tiefwasser zum trinken. Zuerst trank Josef Engelmann welcher dann bis an den Eck des Wolz Hauses ging um auf Schimmel Hans zu warten. Da Josef Engelmann keine Geduld mehr hatte für warten lief er über die Hauptgasse an den Eck zu den anderen Kameraden. Inzwischen kam der rumänische kommunistische Parteisekretär Buda Ion welcher im Hof bei Wolz im Haus mit einem rumänischen Kolonisten erzählt hatte auf die Strasse und sah das eine Wahlplakate auf der Erde lag. Da wir 5 Buben auf der anderen Seite am Ecken Werfball spielten, kam Buda Ion hinüber und fragte warum wir die Wahlplakate von der Mauer abgerissen hatten? Wir sagten wir wissen von nichts und waren es auch nicht. Er beschuldigte uns und wir gingen mit ihm bis in das Neusiedler Gemeindehaus. Dort befanden sich 2 rumänische Nachtwächtern. Ein Nachtwächter mußte den rumänischen Lehrer Maginta Ilie herbeirufen. Dieser Lehrer kam, welcher sehr deutschfeindlich war, und gab ein Telefon zur Gendarmerie Alexanderhausen. Der Polizeibeamte sagte: die 2 Nachtwächter sollen uns 5 Jungen zur Gendarmerie Alexanderhausen noch in dieser Nacht bringen. Dort wurden wir in das Arrest eine Nacht eingesperrt. In dieser Nacht heulte eine Sirene, denn es brannte irgendwo ein Haus in dieser Ortschaft, so waren die Gendarmerie beschäftigt mit diesem Brand. Den nächsten Vormittag wurden wir von der Gendarmerie verhört. Man quetschte uns die Finger in die Tür und erhielt Ohrfeigen. Es wurde ein Protokoll geschrieben wo wir unterschreiben mußten, daß wir ein Wahlplakat abgerissen hätten. Jung und unerfahren gaben wir unsere Unterschrift. So wurden wir mit einem Fuhrwerk mit Pferd und Wagen welches die Gemeinde Neusiedel stellen mußte, am Donnerstag nachmittag begleitet mit einem Gendarm alle 5 Jungen zur Lovriner Gendarmerie geführt. Zufällig war der Fuhrmann der Vater von Hans Goschy. Der Engelmann Sepp saß vorne neben dem Fuhrmann, die Zwillingsbrüder Adam und Hans Schimmel hintem dem Fuhrmann auf der Sitz und Josef Tittel  mit dem Gendarm und Goschy Hans ganz hinten im Wagen. Der Gendarm sagte zu uns: Sein Gewehr sei geladen, wenn jemand fort laufen will dann schießt er. Josef Tittel war so flink, wollte wissen ob er wirklich das Gewehr mit Patronen geladen hat und nahm schnell den Verschluß des Gewehrs aus dem Gewehr heraus. Der Gendarm bekam Angst, denn gegen 5 Jungen auf der Landstraße von 11 km hätten wir ruhig fort laufen können.  Der Gendarm sprach sehr höflich auf dem Weg bis Lovrin mit uns und erst in der Ortschaft Lovrin bekam er den Verschluß wieder zurück. Als Strafe mußte Josef Tittel den Hühnerstall und den Hof bei der Gendarmerie Lovrin reinigen. Die anderen 4 Jungen mußten im Keller alles reinigen, wo wir auch in der Nacht eingesperrt wurden. Während dieser Nacht wurde noch ein älterer Mann, Gehl Nikolaus, welcher mit dem Richter in Billed gerauft hat, zu uns in den Keller eingesperrt. Dieser Mann sagte uns: wir werden bis nach Großsanktnikolaus geführt zur Kreis- Sicherheitspolizei 'Asiguranza' genannt. Dort werden wir geschlagen bis wir eingestehen die Tat sowie die Polizeibeamten es brauchen. Ob man schuldig oder unschuldig ist, wird von ihnen bestimmt. Die Lovriner Gendarmerie führte uns mit der Eisenbahn bis nach Triebswetter zur Gendarmerie wo wir auch eine Nacht im Keller eingesperrt waren. Von Triebswetter führte uns ein Gendarm auch mit der Eisenbahn am Karsamstag alle 6 Personen nach Großsanktnikolaus und übergab uns bei der Kreissicherheitspolizei auch 'Asiguranza' genannt. In einem Zimmer waren mehrere rumänische Jungen aus der Ortschaft Valcani; einer fragte uns, was habt ihr gemacht? Nichts, antworteten wir. Dann sagte ein anderer Junge aus Valcani zu uns: Ihr sagt nach eurem Verhör bei dem Polizeibeamten auch was eure Großmutter vor 3 Jahren gekocht hat, welche ihr gar nicht mehr gekannt habt! So erfuhren wir auch von diesen Jungen das wir geschlagen werden. Wir wurden alle 6 in ein Zimmer gebracht. In der Nacht wurde jeder einzeln in ein anderes Zimmer geführt und zum Verhör gebracht. Zuerst bekamen wir mit einem harten Stock auf die Hände geschlagen und nachher mit einem Gummistock sowie beim rumänischen Militär die Soldaten geschlagen wurden, 25 Hiebe auf den Arsch. Die zarte Haut wurde Schwarz und blau und auf manchen Stellen war die Haut aufgeplatzt. Als Kamerad Josef Engelmann zum zweitenmal 25 Gummihiebe bekam hat er eingestanden, daß er allein die Wahlplakate welche nur mehr an einem Eckrand hang abgerissen hatte und die anderen 4 Kameraden davon nichts wußten. Tagsüber mußten wir Holz zerspalten und in den Keller tragen und aufsetzen. Am Ostersonntag schickte der katholischer Priester aus Großsanktnikolaus Essen, eine Bohnensuppe für die eingesperrten Menschen zur 'Asiguranza'. Am demselben Tag wurde Kamerad Hans Goschy zu einem Polizeibeamten in ein Zimmer gerufen welcher unter vier Augen zu ihm sagte: Verständige deinen Vater, er soll ein kleines Osterpaket mit Schweineschinken, Geld und 1 ltr Schnaps hierher bringen, dann werdet ihr am Ostermontag nach den Wahlen frei. Von den Eltern der Geschwister Schimmel wurde der Schweineschinken gespendet und die anderen Eltern gaben Geld und besorgten 1 ltr Schnaps welcher Hans Goschy sein Vater nach Großsanktnikolaus gebracht hatte. Das Geld versteckte Hans Goschy im Keller zwischen 2 Ziegeln und überließ in einem Ecken auch die anderen Sachen. Am Ostermontag in der Früh sagte ein Polizeibeamte zu uns 5 Jungen: ihr spielt ein Spiel, wir sollten mit einem Reibholz naßes Holz in dem Ofen anbrennen. Wenn es nicht gelingt das Feuer anzuzünden so mußte man dem Partner eine Ohrfeige geben. Josef Tittel war mit Hans Goschy zusammengestellt. Ich gab nur eine schwache Ohrfeige an Hans Goschy, dann gab mir der Polizeibeamte mir eine feste Ohrfeige, so hart muß ich auch schlagen. Eine halbe Stunde bevor die Eisenbahn in Großsanktnikolaus eintraf wurden wir am Ostermontag entlassen und kamen zu Mittag schon in Neusiedel bei unseren Eltern an. Also mit so einer Hinterlist befestigte sich der rumänische kommunistische Parteisekretär Buda Ion seine Kariere. Dagegen wurden wir 5 Jungen im kommunistischen Regim als 'unverläßliche Personen' vermerkt. So hatten wir beim weiter lernen in der Schule, sowie auch eine lange Zeit auf dem Arbeitsplatz, große Schwierigkeiten gehabt. Denn man verlangte öfters von der kommunistischen Partei unseres Heimatortes Bestätigungen 'Referinta' unseres Benehmen im Ort für das Arbeitsplatz. Der Lehrer Maginta Ilie verblieb nur mehr eine kurze Zeit in der Schule und floh nach Serbien zurück. Denn es  wurde festgestellt das er ein serbischer Spion war.

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